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WebDAV auf iPhone und iPad einrichten: Nextcloud, Synology und Hetzner verbinden

8 Min. Lesezeit

von Marcel, Senior-Softwareentwickler

Du hast eine Nextcloud, ein Synology-NAS oder eine Hetzner Storage Box. Am Rechner läuft der Zugriff seit Jahren problemlos – und dann willst du dieselben Dateien auf dem iPhone öffnen und stehst plötzlich vor einer Fehlermeldung, die dir genau nichts sagt. „Verbindung fehlgeschlagen“, fertig. Das ist kein Zufall und meistens auch kein Fehler an deinem Server: iOS bringt von Haus aus keinen WebDAV-Client mit. Die Dateien-App kann über „Mit Server verbinden“ SMB-Freigaben einbinden – WebDAV steht dort schlicht nicht zur Auswahl. Du brauchst also eine App aus dem Store, die exakte Server-URL inklusive Pfad-Präfix und, sobald Zwei-Faktor-Anmeldung aktiv ist, ein App-Passwort statt deines normalen Kennworts.

Das Wichtigste in Kürze

  • iOS kann kein WebDAV von Haus aus: „Mit Server verbinden“ in der Dateien-App spricht SMB, nicht WebDAV. Du brauchst eine WebDAV-App.
  • Die URL ist die halbe Miete: Bei Nextcloud und ownCloud gehört der Pfad /remote.php/dav/files/BENUTZERNAME/ dazu – die nackte Domain liefert nur Fehler.
  • Zwei-Faktor bricht WebDAV: Nextcloud verlangt dann ein App-Passwort, Koofr generell ein anwendungsspezifisches Passwort.
  • Zertifikate: Selbstsignierte Zertifikate am NAS und unvollständige Zertifikatsketten sind die zweithäufigste Ursache.
  • Synology von unterwegs: QuickConnect trägt WebDAV nicht – dafür brauchst du DDNS mit Portfreigabe oder ein VPN.
  1. WebDAV auf dem Server aktivieren

    WebDAV ist bei vielen Systemen nicht ab Werk an. Bei einer Hetzner Storage Box schaltest du es in der Hetzner Console frei, bei Synology installierst du das Paket „WebDAV Server“ und aktivierst dort HTTPS. Nextcloud und ownCloud sprechen WebDAV dagegen von Anfang an.

  2. Die vollständige WebDAV-URL zusammensetzen

    Nicht die Adresse der Weboberfläche eintragen, sondern den WebDAV-Endpunkt. Bei Nextcloud und ownCloud ist das https://deine-domain/remote.php/dav/files/BENUTZERNAME/ – mit deinem echten Benutzernamen im Pfad. Bei Synology gehört der WebDAV-Port an den Hostnamen.

  3. Das passende Passwort erzeugen

    Ist bei Nextcloud die Zwei-Faktor-Anmeldung aktiv, funktioniert dein normales Kennwort nicht mehr. Lege unter Einstellungen → Sicherheit ein gerätespezifisches App-Passwort an. Koofr verlangt für jede WebDAV-Verbindung generell ein anwendungsspezifisches Passwort.

  4. Verbindung erst am Rechner testen

    Bevor du am iPhone rätselst: Ruf denselben Endpunkt am Mac oder PC auf. Du siehst dort den echten HTTP-Statuscode – 401 heißt falsche Zugangsdaten, 404 falscher Pfad, 405 blockierte WebDAV-Methode. Das spart dir das Raten in einer App-Fehlermeldung.

  5. WebDAV-App auf dem iPhone einrichten

    Erst jetzt die App installieren und die geprüften Daten eintragen. Achte darauf, dass die App mit deinem Zertifikat umgehen kann – bei selbstsignierten Zertifikaten am NAS braucht sie eine bewusste Vertrauensentscheidung statt eines pauschalen Abschaltens der Prüfung.

Warum die Dateien-App von iOS nicht reicht

Auf dem Mac tippst du im Finder eine WebDAV-Adresse ein und bist drin. Auf dem iPhone gibt es diesen Weg nicht. Apples Dateien-App bietet unter „Mit Server verbinden“ ausschließlich SMB an – das Protokoll aus der Windows-Welt, das im lokalen Netz gut funktioniert, das du aber niemals ungeschützt ins Internet stellen willst.

Genau deshalb ist WebDAV für Fernzugriff so beliebt: Es läuft über normales HTTPS auf Port 443, kommt durch jede Firewall und braucht keinen VPN-Tunnel. Nur muss die Client-Seite eben eine eigene App übernehmen. Wer das nicht weiß, sucht den Fehler stundenlang am Server, obwohl es dort gar keinen gibt.

Die richtige WebDAV-URL – hier scheitert es am häufigsten

Die häufigste Ursache für „geht nicht“ ist banal: Es wird die Adresse der Weboberfläche eingetragen statt der WebDAV-Endpunkt. Beides sind unterschiedliche Dinge auf demselben Server.

SystemWebDAV-URLWorauf du achten musst
Nextcloud / ownCloudhttps://cloud.example.com/remote.php/dav/files/BENUTZERNAME/Der Benutzername steht im Pfad, nicht nur im Login-Feld. Ohne das Präfix bekommst du nur Fehler.
Hetzner Storage Boxhttps://<benutzername>.your-storagebox.deWebDAV muss in der Hetzner Console erst aktiviert werden. Eigene CNAME-Aliase funktionieren mit WebDAV nicht.
Synology (Paket „WebDAV Server“)https://nas.example.com:5006Standardports: 5005 für HTTP, 5006 für HTTPS. Nimm HTTPS – Basic Auth über HTTP schickt dein Passwort im Klartext.
Koofrhttps://app.koofr.net/dav/KoofrFunktioniert nur mit einem anwendungsspezifischen Passwort, das du vorher im Koofr-Webinterface erzeugst.

Die Nextcloud-Pfade stehen in der offiziellen Nextcloud-Dokumentation, die Storage-Box-Adresse und der CNAME-Vorbehalt in der Hetzner-Doku zu WebDAV, die Synology-Ports im Knowledge Center zum Paket „WebDAV Server“ und die Passwortregel in der Koofr-Hilfe.

Ein Detail, das viele übersehen: Bei Nextcloud ist BENUTZERNAME der interne Benutzername, nicht zwingend deine E-Mail-Adresse und nicht der angezeigte Klarname. Wenn du dich per E-Mail-Adresse anmeldest, kann beides auseinanderlaufen – und du bekommst trotz korrekter Zugangsdaten einen 404.

Auth-Varianten: warum dein Passwort plötzlich nicht mehr gilt

WebDAV authentifiziert sich in aller Regel per HTTP Basic Auth – Benutzername und Passwort wandern bei jeder Anfrage mit, geschützt durch TLS. Das ist unspektakulär und funktioniert überall. Der Haken: Basic Auth kennt keinen zweiten Faktor.

Deshalb gilt für Nextcloud: Sobald du Zwei-Faktor-Anmeldung aktivierst, lehnt der Server dein normales Kontopasswort für WebDAV ab. Du brauchst ein App-Passwort, das du unter Einstellungen → Sicherheit erzeugst – ein langer Zufallsstring, den du einmal in die App kopierst. Das ist kein Sicherheitsverlust, im Gegenteil: Du kannst ihn gezielt einzeln zurückziehen, wenn ein Gerät verloren geht, ohne dein Kontopasswort zu ändern.

Koofr geht noch einen Schritt weiter und verlangt für jede WebDAV-Verbindung ein anwendungsspezifisches Passwort, unabhängig davon, ob du Zwei-Faktor nutzt. Bei einer Hetzner Storage Box empfiehlt sich, für den mobilen Zugriff ein Unterkonto mit eingeschränktem Verzeichnis anzulegen, statt die Hauptzugangsdaten auf dem Telefon zu speichern.

Und noch ein Klassiker: Steht vor deinem Server ein Reverse Proxy, kann der den Authorization-Header verschlucken, wenn er nicht ausdrücklich durchgereicht wird. Dann kommt am Backend nie ein Passwort an – und du bekommst hartnäckig 401, obwohl alles stimmt.

Zertifikate: der zweithäufigste Grund, warum nichts geht

Am Desktop klickst du eine Zertifikatswarnung weg und arbeitest weiter. Auf iOS bricht die Verbindung einfach ab. Drei Fälle sehen wir immer wieder:

  • Selbstsigniertes Zertifikat. Jedes NAS bringt ab Werk eines mit. iOS vertraut ihm nicht – zu Recht, denn ohne zusätzliche Prüfung ließe sich die Verbindung unterwegs unbemerkt umleiten. Die saubere Lösung ist ein echtes Zertifikat, etwa per Let’s Encrypt direkt aus DSM heraus. Die pragmatische Lösung ist eine App, die das Zertifikat beim ersten Verbinden merkt und dich alarmiert, wenn es sich später ändert.
  • Unvollständige Zertifikatskette. Der Server liefert sein eigenes Zertifikat aus, aber nicht das Zwischenzertifikat. Am Rechner fällt das oft nicht auf, weil der Browser das fehlende Stück von früheren Besuchen im Cache hat oder nachlädt. Ein frisch installiertes iPhone hat diesen Cache nicht – deshalb der irritierende Befund „im Safari läuft die Seite, in der App nicht“.
  • Zertifikat auf den falschen Namen. Du verbindest dich über die lokale IP oder nas.local, das Zertifikat lautet aber auf nas.example.com. Formal korrekt abgelehnt, praktisch ärgerlich – nutze konsequent den Hostnamen, für den das Zertifikat ausgestellt ist.

Top tip

Bevor du am iPhone weiterprobierst, frag den Server direkt. Am Mac oder unter Linux zeigt dir curl -u BENUTZER -X PROPFIND -H "Depth: 1" -i https://cloud.example.com/remote.php/dav/files/BENUTZER/ in zwei Sekunden den echten HTTP-Statuscode. Der sagt dir, wo du suchen musst – statt einer App-Fehlermeldung, die alles von „falsches Passwort“ bis „Netz weg“ meinen kann. Mit openssl s_client -connect cloud.example.com:443 -servername cloud.example.com prüfst du im selben Aufwasch die Zertifikatskette.

Was die Statuscodes dir sagen

CodeBedeutungWo du suchst
401Zugangsdaten abgelehntFalsches Passwort, fehlendes App-Passwort oder ein Proxy, der den Auth-Header nicht durchreicht
403Angemeldet, aber verbotenDer Benutzer hat auf diesen Pfad keine Rechte – bei Unterkonten typisch
404Pfad nicht gefundenDas Präfix fehlt oder der Benutzername im Pfad stimmt nicht
405Methode nicht erlaubtEin Proxy oder Webserver blockiert PROPFIND, MKCOL, MOVE oder COPY
507Kein Speicher mehrQuota oder Datenträger voll – die Verbindung selbst ist in Ordnung

Der 405 ist der lehrreichste Fall: WebDAV ist HTTP mit zusätzlichen Methoden. Wer vor seinen Server einen Reverse Proxy stellt und nur GET und POST durchlässt, hat einen Server, der im Browser einwandfrei aussieht und für WebDAV komplett tot ist.

Von unterwegs verbinden – der Synology-Sonderfall

Ein Muster, das sich hartnäckig hält: Im heimischen WLAN läuft die Verbindung, unterwegs im Mobilfunknetz nicht. Meistens ist im Client eine lokale IP hinterlegt, die es außerhalb des Netzes nicht gibt.

Bei Synology kommt eine Besonderheit dazu: QuickConnect trägt WebDAV nicht. Synology dokumentiert für QuickConnect eine Liste unterstützter eigener Pakete – WebDAV steht nicht darauf. Für den Zugriff von außen brauchst du also einen echten DDNS-Namen mit Portfreigabe für den WebDAV-Port oder ein VPN ins Heimnetz. Wer das nicht weiß, testet stundenlang Zugangsdaten, obwohl der Server von außen schlicht nicht erreichbar ist.

Wenn du den Port ohnehin öffnest: nur HTTPS, nie den HTTP-Port. Basic Auth über unverschlüsseltes HTTP bedeutet, dass dein Passwort in jedem offenen WLAN mitlesbar ist.

Welche App auf dem iPhone – und worauf du achten solltest

Im App Store gibt es mehrere brauchbare WebDAV-Clients, und die Wahl hängt davon ab, was du tatsächlich vorhast. Diese Punkte machen im Alltag den Unterschied:

  • Streaming statt Download. Ein Videoarchiv auf dem NAS bringt dir wenig, wenn die App jede Datei erst komplett laden muss.
  • Umgang mit Zertifikaten. Eine App, die dich bei selbstsignierten Zertifikaten einfach fragt „Prüfung abschalten? Ja/Nein“, ist gefährlich. Besser ist ein bewusstes Merken des Zertifikats mit Alarm bei Änderung.
  • Wo die Passwörter liegen. Zugangsdaten gehören in den Schlüsselbund des Systems, nicht in eine App-Datenbank.
  • Echtes iPad-Layout. Eine hochskalierte iPhone-Ansicht auf dem iPad ist auf Dauer anstrengend.
  • Offline-Verhalten. Ohne gepinnte Dateien stehst du im Zug mit einer leeren Liste da.

Weil uns genau diese Punkte selbst gestört haben, haben wir eine eigene App gebaut: den WebDAV Browser für iPhone und iPad. Er bringt Presets für neun Anbieter mit, sichert selbstsignierte Zertifikate per Trust-on-First-Use mit SHA-256-Pinning ab und schlägt Alarm, wenn sich das Zertifikat ändert. Passwörter liegen ausschließlich im iCloud-Schlüsselbund, Suche und Texterkennung laufen komplett auf dem Gerät, Videos starten direkt vom Server. Die App setzt iOS 26 voraus, ist in bis zu 14 Sprachen verfügbar und in der kostenlosen Version mit einer Serververbindung voll nutzbar. Sie ist eine Möglichkeit von mehreren – aber eine, bei der wir jede Designentscheidung begründen können.

Wenn WebDAV gar nicht die richtige Antwort ist

Manchmal ist der Wunsch hinter „wir brauchen die Dateien aufs Handy“ ein anderer. Wenn Monteure Fotos zu einem konkreten Auftrag hochladen sollen, wenn Prüfprotokolle strukturiert erfasst gehören oder wenn Kollegen nur ganz bestimmte Ordner sehen dürfen, ist ein Dateibrowser das falsche Werkzeug. Dann willst du keinen Ordnerbaum, sondern einen Prozess – mit Formularen, Berechtigungen und einer Anbindung an dein System.

Genau das ist der Punkt, an dem eine eigene App sinnvoll wird. Wir bauen so etwas in SwiftUI für iPhone und iPad und hängen es an die Systeme, die bei dir schon laufen. Wie so ein Projekt abläuft und was es kostet, steht im Detail in unserem Beitrag dazu, was eine iOS-App wirklich kostet und wie sie entsteht – und ob nativ oder plattformübergreifend die bessere Wahl ist, klären wir im Vergleich native App oder Cross-Platform.

Du kommst mit deiner WebDAV-Verbindung nicht weiter oder merkst gerade, dass du eigentlich mehr brauchst als einen Dateizugriff? Schreib uns kurz, was du vorhast. Wir schauen im kostenlosen Erstgespräch gemeinsam drauf und sagen dir ehrlich, ob es eine Einstellung ist, die richtige App – oder ein eigenes Stück Software.

Häufige Fragen

Kann die Dateien-App von iOS WebDAV einbinden?

Nein. Die Dateien-App bietet unter „Mit Server verbinden“ ausschließlich SMB an, WebDAV steht dort nicht zur Auswahl. Für WebDAV auf iPhone oder iPad brauchst du eine App aus dem App Store, die das Protokoll selbst spricht.

Wie lautet die WebDAV-Adresse meiner Nextcloud?

Sie besteht aus deiner Domain plus dem Pfad https://deine-domain/remote.php/dav/files/BENUTZERNAME/ – mit deinem internen Benutzernamen im Pfad. Die Adresse der Weboberfläche allein reicht nicht; das ist die häufigste Ursache für Fehler beim Einrichten.

Warum funktioniert mein Nextcloud-Passwort in der WebDAV-App nicht?

Sehr wahrscheinlich ist Zwei-Faktor-Anmeldung aktiv. WebDAV nutzt HTTP Basic Auth und kennt keinen zweiten Faktor, deshalb lehnt der Server das normale Kontopasswort ab. Lege unter Einstellungen → Sicherheit ein gerätespezifisches App-Passwort an und trage dieses in der App ein.

Warum komme ich über QuickConnect nicht auf mein Synology-NAS per WebDAV?

QuickConnect ist auf Synologys eigene Pakete ausgelegt, WebDAV gehört nicht dazu. Für den Zugriff von unterwegs brauchst du entweder einen DDNS-Namen mit Portfreigabe für den WebDAV-Port – standardmäßig 5006 für HTTPS – oder ein VPN in dein Heimnetz.

Was tun, wenn mein NAS ein selbstsigniertes Zertifikat hat?

Am saubersten ist ein echtes Zertifikat, das du bei Synology direkt per Let’s Encrypt in DSM ausstellen lassen kannst. Geht das nicht, sollte deine App das Zertifikat beim ersten Verbinden merken und dich warnen, sobald es sich ändert. Die Zertifikatsprüfung dauerhaft komplett abzuschalten ist die schlechteste Option.

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