Shopware-Plugin entwickeln: der Ablauf von der Idee bis in den Store
9 Min. Lesezeit
von Marcel, Senior-Softwareentwickler
„Kann man das nicht einfach als Plugin bauen?“ – die Frage kommt fast immer, wenn im Shop eine Funktion fehlt, die kein Angebot aus dem Store richtig trifft. Die Antwort ist meistens ja. Was danach passiert, weiß aber kaum jemand: Zwischen deiner Idee und dem Moment, in dem das Plugin im Shop arbeitet, liegen fünf Stationen – Anforderung schärfen, Plugin-oder-App entscheiden, entwickeln und gegen die unterstützten Shopware-Versionen testen, ausliefern (Store-Review oder Direktinstallation), pflegen. Dieser Artikel beschreibt jede davon so, wie sie in echten Projekten abläuft.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Ablauf: Anforderung → Entscheidung Plugin oder App → Entwicklung gegen die unterstützten Shopware-Versionen → Auslieferung (Store oder direkt) → Pflege über Major-Updates.
- Plugin oder App: Plugins laufen als Code im Shop und greifen tief ein – aber nur bei selbst gehostetem Shopware. Apps laufen außerhalb und sind der Weg für Shopware Cloud.
- Store-Review: Shopware prüft automatisiert (u. a. PHPStan, SonarQube) und manuell gegen die Quality Guidelines – getestet wird gegen die höchste unterstützte Shopware-6-Version.
- Kosten: kompaktes Plugin ab 990 €, individuell ab 2.900 €, Veröffentlichung im Shopware Store zusätzlich ab 490 €.
Wann ein eigenes Plugin die richtige Antwort ist – und wann nicht
Die ehrliche Reihenfolge lautet: erst im Store suchen, dann bauen. Für verbreitete Aufgaben – Bewertungen, Newsletter-Anbindung, Versandetiketten – gibt es fertige Erweiterungen, die gepflegt werden und einen Bruchteil kosten. Wenn eine davon passt, sagen wir dir das, auch wenn wir dabei nichts verdienen.
Ein eigenes Plugin lohnt sich an drei Stellen:
- Deine Anforderung hängt an einem Detail, das kein Anbieter kennt. Eine Preislogik mit Staffeln und Kundengruppen, eine Freigabestufe vor der Bestellung, eine Kennzeichnungspflicht, die es nur in deiner Branche gibt.
- Du müsstest mehrere Store-Plugins kombinieren, und jedes bürdet dir ein Abo auf. Ab etwa 30 bis 40 € monatlich bei dauerhaftem Bedarf lohnt der Blick auf eine Eigenentwicklung – wir haben das im Artikel Shopware-Plugin statt Abo durchgerechnet.
- Ein vorhandenes Plugin passt fast, nur an einer Stelle nicht. Dann erweitern wir es, statt eines von null zu bauen.
Und die Gegenprobe: Reine Design-Änderungen sind Theme-Arbeit und brauchen kein Plugin. Änderungen direkt im Shopware-Core machen wir nicht – sie sind beim nächsten Update weg und nehmen dir die Update-Fähigkeit gleich mit.
Plugin oder App? Die Entscheidung vor der ersten Zeile Code
Shopware 6 kennt zwei Erweiterungsarten, und die Wahl entscheidet über Hosting, Kosten und Möglichkeiten. Sie fällt vor der Entwicklung, nicht danach.
Ein Plugin ist PHP-Code, der in deinem Shop installiert wird und Teil der Anwendung wird. Es kann tief eingreifen: eigene Datenbanktabellen, eigene Admin-Module, Eingriffe in Bestell- und Preisprozesse. Der Preis dafür: Es setzt einen selbst gehosteten Shop voraus.
Eine App läuft nicht im Shop, sondern auf einem eigenen Server und spricht über Webhooks und die Shopware-API mit deinem Shop. Genau deshalb ist sie der Weg für Shopware Cloud – dort ist eigener PHP-Code im Shop nicht vorgesehen. Der Preis dafür: Du brauchst laufenden Betrieb für dein eigenes System, und was du im Shop erreichen kannst, ist auf die dokumentierten Schnittstellen begrenzt. (Beide Systeme bestehen laut Shopware-Dokumentation nebeneinander weiter – die App ist keine Ablösung des Plugins.)
| Plugin | App | |
|---|---|---|
| Wo läuft es? | im Shop, als Teil der Anwendung | auf deinem eigenen Server, per API/Webhooks |
| Shopware Cloud | nein | ja |
| Eingriffstiefe | sehr tief (Datenbank, Admin, Prozesse) | begrenzt auf die dokumentierten Schnittstellen |
| Laufender Betrieb | keiner zusätzlich | Hosting und Betrieb deines App-Servers |
Die Faustregel aus unseren Projekten: Selbst gehosteter Shop und eine Funktion, die nah am Kern arbeitet? Plugin. Cloud-Shop oder eine Funktion, die ohnehin ein externes System braucht (KI-Dienst, Marktplatz, Warenwirtschaft)? App.
Der Ablauf im Überblick
Anforderung schärfen
Beschreibe den Ablauf, den das Plugin ändern soll – wer klickt was, was soll danach anders sein. Aus dieser Beschreibung wird eine schätzbare Anforderung. Dieser Schritt entscheidet mehr über den Preis als jede Technologie.
Plugin oder App entscheiden
Selbst gehosteter Shop und tiefer Eingriff sprechen für ein Plugin, Shopware Cloud oder ein externes System für eine App. Die Entscheidung fällt vor der Entwicklung, weil sie die Architektur bestimmt.
Entwickeln und gegen die Zielversionen testen
Entwicklung in einer eigenen Umgebung, nicht im Live-Shop. Getestet wird gegen jede Shopware-Version, die das Plugin unterstützen soll – bei Erweiterungen für den Store gegen die höchste unterstützte Version.
Ausliefern: Store-Review oder Direktinstallation
Ein Plugin nur für deinen Shop wird direkt installiert und ist sofort nutzbar. Soll es in den Shopware Store, kommt eine automatisierte Code-Prüfung und ein manueller Test gegen die Quality Guidelines dazu.
Pflegen
Shopware liefert regelmäßig Minor-Updates und alle paar Jahre einen Major. Plane ein paar Stunden im Jahr für Kompatibilität ein, im Major-Jahr mehr.
Schritt 1: Die Anforderung so aufschreiben, dass sie schätzbar wird
Der häufigste Grund für ein teures Plugin ist nicht die Technik, sondern eine unscharfe Anforderung. „Wir brauchen eine Freigabe für Bestellungen“ kann drei Stunden bedeuten oder drei Wochen – je nachdem, wer freigibt, ob es mehrere Stufen gibt, was mit abgelehnten Bestellungen passiert und ob der Kunde etwas davon sieht.
Was wir vor einer Schätzung wissen müssen:
- Der Auslöser. Was passiert im Shop, damit das Plugin aktiv wird? Ein Klick, eine Bestellung, ein Import, ein Zeitplan.
- Der Ort. Storefront, Administration oder beides? Admin-Oberflächen sind eigene Arbeit – bei uns ist eine solche Oberfläche ein Aufpreis ab 690 €, weil sie eigene Entwicklung im Shopware-Admin bedeutet.
- Die Daten. Reichen bestehende Felder, oder braucht das Plugin eigene Tabellen? Eigene Tabellen bedeuten Migrationen, und Migrationen bedeuten: Was passiert bei der Deinstallation mit den Daten?
- Der Rand. Was soll passieren, wenn es schiefgeht – wenn ein externer Dienst nicht antwortet, wenn ein Feld leer ist, wenn zwei Mitarbeiter gleichzeitig speichern?
- Die Sprachen und Verkaufskanäle. Ein Plugin, das in drei Sprachen und zwei Sales-Channels sauber laufen soll, ist mehr Arbeit als eines für einen deutschen Kanal.
Diese fünf Punkte auf einer halben Seite ersparen dir bei jedem Anbieter Geld – und sie machen Angebote überhaupt erst vergleichbar. Wie ein Projekt bei uns danach Schritt für Schritt weiterläuft, kannst du dir vorab ansehen.
Schritt 2: Entwicklung – und warum wir gegen mehr als eine Shopware-Version testen
Entwickelt wird nie im Live-Shop, sondern in einer eigenen Umgebung mit einer Kopie deiner Daten. Das ist kein Luxus: Ein Plugin, das eine Datenbanktabelle anlegt, soll das zum ersten Mal nicht in deinem laufenden Betrieb tun.
Der Punkt, den viele unterschätzen, ist die Versionsfrage. Shopware 6.6 und 6.7 sind beide im Feld, und Shops springen nicht gleichzeitig. Ein Plugin, das nur auf einer Version getestet wurde, funktioniert im Zweifel genau bei dem Shop nicht, der es einsetzen soll. Bei unseren eigenen Erweiterungen sieht man beide Fälle: Der Alt-Text Optimizer Pro ist auf 6.7 ausgelegt, das Plugin EU AI Act Compliance läuft unter 6.6 und 6.7 – weil die Kennzeichnungspflicht Shops trifft, die ihren Major-Sprung noch vor sich haben.
Zwei Versionen zu unterstützen ist nicht doppelte Arbeit, aber es ist mehr als eine: Man vermeidet APIs, die sich zwischen den Versionen geändert haben, und man testet jeden Ablauf zweimal. Für den Shopware Store gilt zusätzlich: Erweiterungen werden laut den offiziellen Quality Guidelines gegen die höchste unterstützte Shopware-6-Version getestet. Wer also 6.6 als Minimum angibt, wird trotzdem auf der neuesten Version geprüft.
Top tip
Lass dein Plugin vor der Einreichung durch die Prüfwerkzeuge laufen, die
Shopware selbst benutzt. Die Extension-Validierung steckt inzwischen in der
Shopware CLI (shopware-cli extension validate, mit --full deutlich
gründlicher) und lässt sich in die CI hängen – sie meldet mit
Nicht-Null-Exit-Code, wenn etwas auf Error-Level fehlschlägt. Jeder Fund, den
du vorher wegräumst, ist eine Review-Runde weniger.
Schritt 3: Store-Review – was Shopware prüft und woran es scheitert
Hier trennen sich zwei Wege, und der Unterschied ist groß.
Direktinstallation. Ein Plugin, das nur in deinem Shop laufen soll, geht nicht durch den Store. Wir installieren es, du nutzt es, fertig. Kein Review, keine Wartezeit, keine Store-Vorgaben zu Beschreibungstexten und Screenshots. Für die allermeisten individuellen Plugins ist das der richtige Weg – der Store ist ein Vertriebskanal, kein Qualitätssiegel, das dein interner Freigabe-Workflow bräuchte.
Shopware Store. Willst du das Plugin verkaufen, kommt die Prüfung dazu. Nach der offiziellen Shopware-Dokumentation besteht sie aus zwei Teilen: einer automatisierten Code-Prüfung (Shopware nennt dort unter anderem PHPStan und SonarQube, mit Blick auf Auswirkungen in Administration und Storefront) und einem manuellen Test gegen die Quality Guidelines – Sicherheit, Coding-Standards, Bedienbarkeit, Funktion. Geprüft wird außerdem, was bei Installation und Deinstallation passiert (inklusive Aufräumen der Daten) und wie du die Erweiterung im Store darstellst: Beschreibung, Medien, Übersetzungen.
Abgelehnt wird laut Dokumentation unter anderem, wenn eine Erweiterung gegen Coding-Standards verstößt, Sicherheitsprobleme mitbringt, unerlaubte Dateien mitliefert, das Verhalten der Storefront kaputt macht oder im Listing etwas verspricht, was sie nicht tut. Für Apps kommt ein Punkt dazu, der viele überrascht: Sie kann abgelehnt werden, wenn es bereits eine App mit derselben Funktion gibt und die neue keinen erkennbaren Mehrwert bietet.
Zur Dauer machen wir bewusst keine Zahlenangabe – Shopware nennt dafür keine verbindliche Frist, und was wir aus einem einzelnen Verfahren kennen, ist keine belastbare Grundlage für deine Planung. Plane den Store-Weg deshalb nie auf den Tag genau in eine Kampagne hinein. Bei uns kostet die Store-Veröffentlichung eines Plugins zusätzlich ab 490 €, und genau dieser Aufwand steckt darin: Verpackung, Beschreibung, Prüfung, Korrekturrunden.
Schritt 4: Release, Versionierung und der nächste Major
Nach dem Release beginnt der Teil, den Angebote gern unterschlagen. Ein Plugin ist kein Möbelstück, es lebt in einer Software, die sich bewegt:
- Minor-Updates von Shopware kommen regelmäßig. Meist passiert nichts, gelegentlich ändert sich ein Detail, auf das dein Plugin aufsetzt.
- Major-Updates kommen alle paar Jahre und sind echte Arbeit. Der Sprung von 6.6 auf 6.7 hat viele Erweiterungen Anpassungen gekostet.
- Versionsnummern sind kein Selbstzweck: Aus der Versionsnummer deines Plugins und der angegebenen Shopware-Kompatibilität liest der Shop, ob ein Update überhaupt eingespielt werden darf.
Rechne für ein gepflegtes Plugin mit ein paar Stunden im Jahr, in einem Major-Jahr mit mehr. Bei uns läuft das nach Aufwand zu 79 €/h oder im Rahmen der Shopware-Betreuung. Wer dir sagt, ein eigenes Plugin sei nach dem Kauf kostenlos, verkauft dir etwas – wir haben das im Artikel Was kostet ein Shopware-Plugin? offen aufgeschrieben.
Wem der Code gehört – und was das bei einem Wechsel heißt
Bei uns gehört dir der Quellcode deines Plugins, inklusive Dokumentation. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht: Es gibt Anbieter, die dir eine Lizenz auf eine Eigenentwicklung verkaufen, die du bezahlt hast. Frag im Angebot konkret nach drei Dingen:
- Bekomme ich den vollständigen Quellcode – nicht nur die installierbare ZIP-Datei?
- Darf ich ihn von jemand anderem weiterentwickeln lassen?
- Läuft das Plugin ohne Verbindung zu einem Server des Entwicklers – oder ruft es zur Laufzeit nach Hause?
Punkt drei ist der wichtigste: Ein Plugin, das für die Lizenzprüfung einen fremden Server braucht, ist eine Abhängigkeit auf Dauer. Fällt der Server weg, fällt deine Funktion weg. Warum das mehr ist als eine Formalie, zeigen die versteckten Kosten von Premium-Plugins.
Was ein Shopware-Plugin kostet
Ein kompaktes Plugin mit einer klar umrissenen Funktion startet bei uns bei 990 €. Komplexere Erweiterungen mit eigener Admin-Oberfläche oder Anbindung an ein Drittsystem liegen ab 2.900 €. Häufige Zusätze: Admin-Oberfläche ab 690 €, Anbindung an ein Drittsystem ab 1.400 €, mehrsprachige Plugin-Texte ab 290 €, Veröffentlichung im Shopware Store ab 490 €. Danach kommt nur noch Pflege – ein paar Stunden im Jahr, nach Aufwand.
Was den Preis wirklich treibt, ist selten die Kernfunktion. Es sind die Ränder: Admin-Oberfläche statt Konfigurationsfeld, mehrere Verkaufskanäle, mehrere Sprachen, zwei Shopware-Majors, ein externes System, das ausfallen kann.
Du hast eine Funktion im Kopf, die dein Shop nicht kann – und willst wissen, ob das ein Plugin, eine App oder gar nichts davon werden sollte? Schick uns in zwei, drei Sätzen den Ablauf, den du ändern willst. Wir sagen dir im kostenlosen Erstgespräch ehrlich, welcher Weg passt, was er kostet und ob es dafür nicht schon eine Erweiterung im Store gibt. Wie wir Shopware-Plugins entwickeln, kannst du dir vorher in Ruhe ansehen.
Häufige Fragen
Wie läuft die Entwicklung eines Shopware-Plugins ab?
In fünf Schritten: Anforderung schärfen (welcher Ablauf soll sich ändern), entscheiden ob Plugin oder App, entwickeln und gegen die unterstützten Shopware-Versionen testen, ausliefern – entweder direkt in deinen Shop oder über den Shopware Store mit Review – und anschließend über Minor- und Major-Updates pflegen.
Wie lange dauert die Entwicklung eines Shopware-Plugins?
Das hängt fast ausschließlich am Umfang: Ein kompaktes Plugin mit einer klar umrissenen Funktion ist deutlich schneller fertig als eines mit eigener Admin-Oberfläche, mehreren Sprachen und einer Schnittstelle zu einem Drittsystem. Wir schätzen den Aufwand vorab und sagen dir einen Termin, den wir halten können. Für den Weg über den Shopware Store kommt eine Prüfung dazu, für die Shopware keine verbindliche Frist nennt – plane sie deshalb nie tagesgenau ein.
Was ist der Unterschied zwischen einem Plugin und einer App?
Ein Plugin ist Code, der im Shop installiert wird und tief eingreifen kann – es setzt einen selbst gehosteten Shop voraus. Eine App läuft auf einem eigenen Server und kommuniziert über Webhooks und die Shopware-API; sie ist der Weg für Shopware Cloud, dafür begrenzt auf die dokumentierten Schnittstellen. Beide Systeme bestehen laut Shopware-Dokumentation nebeneinander.
Was prüft Shopware beim Store-Review?
Nach den offiziellen Quality Guidelines läuft eine automatisierte Code-Prüfung (unter anderem mit PHPStan und SonarQube) und ein manueller Test auf Sicherheit, Coding-Standards, Bedienbarkeit und Funktion. Getestet wird gegen die höchste unterstützte Shopware-6-Version. Abgelehnt wird zum Beispiel bei Verstößen gegen Coding-Standards, Sicherheitsproblemen, unerlaubt mitgelieferten Dateien, kaputtem Storefront-Verhalten oder einer Beschreibung, die mehr verspricht als die Erweiterung kann.
Muss mein Plugin in den Shopware Store?
Nein. Ein Plugin, das nur in deinem Shop laufen soll, installieren wir direkt – ohne Review und ohne Store-Vorgaben. Der Store lohnt sich, wenn du die Erweiterung verkaufen willst. Bei uns kostet die Veröffentlichung zusätzlich ab 490 €, weil Verpackung, Beschreibung und die Prüfrunden Arbeit sind.
Gehört mir der Code des Plugins?
Bei uns ja – inklusive Quellcode und Dokumentation. Frag das bei jedem Anbieter aktiv nach und stell dabei drei Fragen: Bekomme ich den vollständigen Quellcode, darf ihn jemand anderes weiterentwickeln, und läuft das Plugin ohne Verbindung zu einem Server des Entwicklers?