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Weblication CORE oder GRID? Warum das die falsche Frage ist – und was du stattdessen prüfst

7 Min. Lesezeit

von Marcel, Senior-Softwareentwickler

„Läuft bei uns eigentlich CORE oder GRID?" Diese Frage bekommen wir regelmäßig, meist von jemandem, der eine Weblication-Website geerbt hat und wissen will, womit er es zu tun hat. Die ehrliche Antwort ist unbefriedigend und trotzdem nützlich: Im Backend steht es nirgends. Wir haben eine Weblication-21-Installation systematisch danach durchsucht – Lizenzdialog, Update-Verwaltung, Dashboard, Seiteninfo. Der Editionsname taucht an keiner Stelle als Text auf.

Das ist kein Versäumnis, sondern ein Hinweis darauf, dass die Frage am Ziel vorbeigeht. Was dein System kann, hängt nicht an einem Produktnamen, sondern an dem, was in deiner Lizenz freigeschaltet ist. Und das steht sehr wohl im Backend – nur an einer Stelle, die kaum jemand aufmacht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Edition steht im Backend nicht. Weder Lizenzdialog noch Update-Verwaltung nennen „CORE" oder „GRID" als Text.
  • Was zählt, ist die Lizenzmatrix unter „Lizenzierung": eine Liste mit Häkchen, Kreuzen und Zahlen. Sie beantwortet jede Frage, die du eigentlich stellen wolltest.
  • Die Kreuze sind teurer als die Häkchen. „Versionierung ✗" heißt: kein Rollback, überschriebene Inhalte sind endgültig weg.
  • Die Zahlen sind harte Grenzen. Pflegebenutzer, Projekte, Sprachversionen und Rollen sind gedeckelt – daran scheitern Vorhaben häufiger als an fehlenden Funktionen.
  • Ein „Major-Release-Paket nicht gebucht" bedeutet: Es gibt Updates, die du nicht ziehen darfst. Das gehört vor jede Update-Planung.

Vorweg zur Einordnung: Die Beobachtungen unten stammen aus einer Weblication-21-Installation, die wir für diesen Artikel durchgesehen haben. Die Struktur der Matrix ist dieselbe in jeder Installation, die konkreten Häkchen sind es nicht – deine Lizenz enthält andere Werte. Genau deshalb lohnt der Blick in deine eigene.

Wo die Lizenzmatrix steckt

Du findest sie im Backend unter „Lizenzierung", überschrieben mit „Ihre Lizenz enthält folgende Funktionen und Module". Der Dialog trägt den Namen deiner Domain im Titel, etwa „Lizenzierung: https://www.deinedomain.de".

Was dort steht, ist eine schlichte Liste – rund dreißig Zeilen aus Modulnamen, Häkchen, Kreuzen und Zahlen. Kein Fließtext, keine Erklärung. Genau deshalb macht sie kaum jemand auf, und genau deshalb ist sie so wertvoll: Sie ist die einzige verbindliche Auskunft darüber, was deine Installation darf.

Daneben nennt der Dialog die Produktversion (etwa „Version 21") und ob ein Major-Release-Paket gebucht ist. Dazu unten mehr, denn dieser eine Satz entscheidet über deine Update-Fähigkeit.

Die Kreuze kosten dich mehr als die Häkchen

Beim ersten Lesen schaut man auf die Häkchen. Interessanter sind die Kreuze, weil sie Arbeit erzeugen, mit der niemand gerechnet hat. Vier davon sind besonders folgenreich.

Versionierung ✗ – das ist das teuerste Kreuz. Ohne Versionierung gibt es keine Seitenhistorie und kein Zurück. Das wird konkret, sobald zwei Leute an derselben Seite arbeiten: Weblication legt beim Bearbeiten eine Arbeitskopie an und fragt beim Öffnen, ob du eine bestehende weiterverwenden willst. Die Optionen heißen „Ja, verwenden" und „Nein, überschreiben". Wer „überschreiben" wählt, verwirft die Arbeit des Kollegen – ohne zweite Rückfrage und ohne Wiederherstellung.

In einer Ein-Personen-Redaktion ist das egal. Ab zwei Redakteuren ist es ein Betriebsrisiko, das du organisatorisch auffangen musst, weil das System es nicht tut: klare Zuständigkeiten je Seitenbereich, Absprache vor größeren Umbauten, und im Zweifel lieber ein Export als Sicherung, bevor jemand eine gewachsene Seite anfasst.

Workflow ✗ heißt: kein Vier-Augen-Prinzip. Es gibt keinen Zustand „zur Freigabe eingereicht". Wer Bearbeitungsrechte hat, veröffentlicht auch. Für Organisationen mit Freigabepflicht – Kommunen, Kliniken, alles mit Pressestelle – ist das die entscheidende Zeile, und sie wird meist erst nach der Einführung gelesen.

Formular Editor ✗ bedeutet nicht, dass du keine Formulare haben kannst. Es bedeutet, dass deine Redaktion sie nicht selbst zusammenklickt. Jedes neue Feld, jede Pflichtangabe, jeder zusätzliche Empfänger wird zur Entwicklungsaufgabe. Wenn dein Team regelmäßig Formulare braucht – Anmeldungen, Bewerbungen, Rückrufwünsche –, rechne das ein, bevor du dich über die Rechnungen wunderst.

Archivierung ✗ heißt: Abgelaufene Inhalte verschwinden nicht automatisch in ein Archiv, sondern bleiben online, bis jemand sie von Hand wegräumt. Bei Veranstaltungen und Stellenanzeigen wird das schnell zum Pflegeaufwand – und zum SEO-Problem, wenn Google Seiten von 2024 als aktuell ausliefert.

Die Zahlen sind die härteren Grenzen

Funktionen lassen sich nachbuchen oder umgehen. An den Zahlen scheitern Vorhaben zuverlässiger, weil sie erst auffallen, wenn schon jemand wartet.

Zeile in der MatrixWas sie im Alltag bedeutet
Anzahl PflegebenutzerWie viele Personen im Backend arbeiten dürfen. Ist der Wert erreicht, kommt niemand mehr dazu – auch nicht kurzfristig für eine Urlaubsvertretung.
Anzahl RollenWie fein du Rechte abstufen kannst. Wenige Rollen heißen: Entweder darf jemand zu viel oder zu wenig.
Anzahl ProjekteWie viele getrennte Auftritte aus der Installation laufen dürfen – relevant bei Tochterfirmen, Kampagnenseiten oder einem zweiten Standort.
Anzahl zusätzliche SprachversionenDer Deckel für Mehrsprachigkeit. Wird gern übersehen, wenn Englisch „später mal" dazukommen soll.
Anzahl KI-BenutzerWie viele Redakteure die KI-Funktionen nutzen dürfen, unabhängig von der Gesamtzahl der Pflegebenutzer.

Der praktische Rat: Lies diese fünf Zeilen, bevor du ein Vorhaben planst, nicht danach. Ein zusätzlicher Standort mit eigenem Auftritt ist eine Frage von zehn Minuten, wenn Projekte frei sind – und ein Lizenzgespräch mit Vorlaufzeit, wenn nicht.

Das Major-Release-Paket: die Zeile, die deine Updates entscheidet

In der Update-Verwaltung stehen zwei Versionsnummern untereinander: die installierte und die verfügbare. Dazwischen liegt manchmal ein Satz, den man leicht überliest – „Major-Release-Paket nicht gebucht".

Der Unterschied ist wichtig. Innerhalb einer Hauptversion – etwa von 021.004.012 auf 021.004.013 – bekommst du Wartungsupdates. Der Sprung auf die nächste Hauptversion ist eine andere Sache: Der ist an das Major-Release-Paket gebunden. Ohne das Paket bleibt deine Installation auf ihrer Hauptversion stehen, egal wie lange sie schon läuft.

Das ist zunächst eine Kostenfrage und irgendwann eine Sicherheitsfrage. Wie lange eine Hauptversion Sicherheitsupdates bekommt, legt der Hersteller fest, nicht dein Wartungsvertrag. Prüf deshalb zwei Dinge, bevor du eine Update-Planung aufstellst:

  1. Steht in deinem Lizenzdialog, dass das Major-Release-Paket gebucht ist?
  2. Wie weit ist deine Hauptversion von der aktuellen entfernt?

Sind beides ungünstige Antworten, ist das kein Grund zur Panik – aber ein Grund, den Nachkauf einzuplanen, statt ihn zu entdecken, wenn ein Sicherheitshinweis kommt. Was so ein Update kostet und wie wir dabei vorgehen, steht in unserem Überblick zu den Kosten einer Weblication-Website.

Top tip

Mach von deiner Lizenzmatrix einmal einen Screenshot und leg ihn zu deiner Projektdokumentation. Dann musst du bei jeder künftigen Frage – „Können wir noch einen Redakteur anlegen?", „Geht Englisch?" – nicht erst ins Backend, und dein Dienstleister kann die Frage beantworten, ohne Zugang zu brauchen.

Was ein „Weblication-Experte" tatsächlich können muss

Wenn Leute nach einem Weblication-Experten suchen, meinen sie selten jemanden, der Texte einpflegt. Das kann die eigene Redaktion nach einer Stunde Einweisung besser, weil sie den Inhalt kennt. Gesucht wird jemand für die Hälfte, die nicht im Editor stattfindet:

  • Vorlagen und Seitentypen. Neue Inhaltstypen anlegen, bestehende Vorlagen ändern, Ausgabelogik anpassen. Das ist Entwicklung, kein Klicken.
  • Die Grenze zwischen Konfiguration und Entwicklung ziehen. Genau hier hilft die Lizenzmatrix: Ein Wunsch, für den das passende Häkchen fehlt, ist kein Einstellungsdialog, sondern ein Projekt. Wer das vorher weiß, gibt ein belastbares Angebot ab.
  • Update- und Versionsplanung, inklusive der Frage aus dem vorigen Abschnitt.
  • Rechte sauber schneiden. Die Rechtevergabe läuft über eine Reihe unbeschrifteter Symbole je Verzeichnis; wer sie nicht kennt, vergibt zu viel oder zu wenig.
  • Übernahme aus fremder Hand, wenn die bisherige Agentur nicht mehr erreichbar ist. Wie das abläuft und welche Zugänge dafür nötig sind, haben wir in Weblication-Agentur wechseln beschrieben.
  • Barrierefreiheit über die Bordmittel hinaus – was das CMS prüft und was redaktionelle Arbeit bleibt, steht in unserem Beitrag zu BFSG und BITV bei Weblication.

Was du dafür nicht brauchst: jemanden, der dir erklärt, wie man eine Unterseite anlegt. Wenn ein Dienstleister sein Geld überwiegend damit verdient, ist etwas schiefgelaufen – entweder bei der Einweisung deines Teams oder beim Zuschnitt der Rechte.

Und wenn du die Edition trotzdem wissen willst

Fair genug – manchmal steht sie in einem Angebot oder einer alten Rechnung, und du willst sie abgleichen. Was du im Backend prüfen kannst, ohne zu raten:

  • Die Lizenzmatrix selbst. Sie ist die genaueste Auskunft, die du bekommst, weil sie unabhängig vom Produktnamen sagt, was freigeschaltet ist.
  • Die Anzahl der Projekte. Ein Wert deutlich über eins spricht für eine Mehrprojekt-Nutzung.
  • Den Drag-&-Drop-Editor. Steht dort ein Häkchen, ist der Editor freigeschaltet.

Was kein verlässlicher Hinweis ist: der Backend-Pfad. Dort taucht grid5 auf, aber das bezeichnet die Systemgeneration und nicht die Edition – ein Irrtum, der in Foren regelmäßig weitergegeben wird. Genauso wenig sagt die Bezeichnung eines Projekts als „BASE-Projekt" etwas über die Lizenz aus; das ist der Name des Vorlagen-Sets.

Wenn du es verbindlich brauchst, ist der kürzeste Weg die Rückfrage beim Hersteller oder ein Blick in deinen Lizenzvertrag. Alles andere im Backend ist Indizienlage.

Häufige Fragen

Wo sehe ich, ob bei mir Weblication CORE oder GRID läuft?

In der von uns untersuchten Weblication-21-Installation steht der Editionsname an keiner Stelle im Backend – weder im Lizenzdialog noch in der Update-Verwaltung. Was du stattdessen findest, ist die Lizenzmatrix unter „Lizenzierung“. Sie sagt dir präziser als jeder Produktname, was deine Installation kann. Für die verbindliche Auskunft zur Edition hilft nur der Lizenzvertrag oder eine Rückfrage beim Hersteller.

Was bedeutet „Versionierung ✗“ in der Lizenzmatrix?

Deine Installation führt keine Seitenhistorie. Es gibt kein Zurück auf einen früheren Stand. Praktisch heißt das: Wenn beim Bearbeiten der Dialog zur Arbeitskopie erscheint und jemand „Nein, überschreiben“ wählt, ist die Arbeit des anderen endgültig verloren. Ab zwei Redakteuren solltest du das organisatorisch absichern, weil das System es nicht tut.

Kann ich Funktionen später nachbuchen?

Module und Kontingente lassen sich grundsätzlich erweitern – das ist eine Lizenzfrage, die über deinen Weblication-Partner oder den Hersteller läuft. Wichtig ist der Zeitpunkt: Ein zusätzlicher Redakteur oder eine weitere Sprachversion ist eine Sache von Tagen, wenn du es vorher klärst, und ein Projektstopp, wenn du es mitten in der Umsetzung merkst.

Was heißt „Major-Release-Paket nicht gebucht“?

Wartungsupdates innerhalb deiner Hauptversion bekommst du weiterhin. Der Sprung auf die nächste Hauptversion ist aber an dieses Paket gebunden – ohne bleibt die Installation auf ihrer Version stehen. Das ist zunächst eine Kostenfrage und wird zur Sicherheitsfrage, sobald der Hersteller die Unterstützung deiner Hauptversion beendet.

Brauche ich für Weblication überhaupt eine Agentur?

Für Inhalte nicht – Texte, Bilder, News und neue Unterseiten macht deine Redaktion nach einer Einweisung schneller selbst. Für Vorlagen, Seitentypen, Formularlogik, Rechteschnitt, Updates und Schnittstellen brauchst du jemanden mit Entwicklungshintergrund. Wenn du gerade ohne Betreuung dastehst, findest du in unserem Beitrag zum [Agenturwechsel](/blog/weblication-website-betreuen-lassen) die Liste der Zugänge, die du dafür zusammensuchen musst.

Du hast eine Weblication-Website übernommen und willst wissen, was sie kann? Schick uns einen Screenshot deiner Lizenzmatrix – wir sagen dir in einer kostenlosen Ersteinschätzung, welche deiner Vorhaben Konfiguration sind und welche Entwicklung. Ehrlich, auch wenn die Antwort lautet, dass du uns dafür nicht brauchst.

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