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Website nicht erreichbar nach Umzug? DNS-Probleme verstehen und beheben

6 Min. Lesezeit

von Marcel, Senior-Softwareentwickler

Kaum ein Thema sorgt bei Website-Betreibern für so viel Stress wie DNS: Die Website wurde umgezogen, und plötzlich ist sie nicht erreichbar. Oder schlimmer – die Website läuft, aber seit dem Umzug kommen keine E-Mails mehr an. Solche Fälle landen regelmäßig auf unserem Tisch, oft mit dem Satz „der Umzug war doch schon vor drei Tagen“. Damit du im Ernstfall weißt, wo du suchen musst, erklären wir die typischen Stolperfallen – und wie du sie behebst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Häufigste Ursache: Beim Hosting-Wechsel werden alle Nameserver umgestellt – die Website läuft, aber die E-Mails brechen ab.
  • Warum: Website (A-Eintrag) und E-Mail (MX-Einträge) sind im DNS zwei getrennte Baustellen.
  • Geduld: Änderungen brauchen wegen der TTL Zeit – nicht jeder Besucher sieht sie sofort.
  • Vorbeugen: Vor dem Umzug alle DNS-Einträge dokumentieren und gezielt nur das Nötige ändern.
  • E-Mails weg? Die häufigsten Ursachen für nicht ankommende Mails haben wir gesondert gesammelt.
  1. Verstehen, welcher Eintrag wofür da ist

    Der A-Eintrag entscheidet, wo deine Website liegt, die MX-Einträge, wer deine E-Mails annimmt. Website und E-Mail sind im DNS zwei getrennte Baustellen – das erklärt die meisten Umzugs-Pannen.

  2. Nameserver und Mail-Einträge prüfen

    Schau nach, ob beim Hosting-Wechsel die kompletten Nameserver umgestellt wurden. Dann gelten die Standard-Einträge des neuen Anbieters, und die alten MX-, SPF- und DKIM-Einträge müssen dort wieder eingetragen werden.

  3. TTL im Kopf behalten

    Jeder Eintrag hat eine Gültigkeitsdauer, deshalb sehen manche Besucher Änderungen sofort und andere erst nach Stunden. Vor einem geplanten Umzug die TTL rechtzeitig herabsetzen – etwa auf 300 Sekunden, mindestens einen Tag vorher.

  4. Domain und www-Variante gegenchecken

    Beide sind aus DNS-Sicht verschiedene Namen mit eigenem Eintrag. Prüfe, ob wirklich beide auf den neuen Server zeigen, und lass auf dem Server eine Weiterleitung auf die eine „echte“ Variante setzen.

  5. SSL-Zertifikat neu ausstellen lassen

    Warnt der Browser vor der Verbindung, fehlt auf dem neuen Server meist noch das Zertifikat für deine Domain. Lass es ausstellen, nachdem die DNS-Änderung greift – manchmal braucht es einen zweiten Anlauf nach ein paar Stunden.

  6. Website und E-Mail zusammen testen

    Prüfe mit dnschecker.org oder whatsmydns.net, ob die Änderung überall angekommen ist, und teste danach beides: Seitenaufruf und einen echten Mailversand. Erst dann ist der Umzug wirklich durch.

Kurz erklärt: Was DNS eigentlich macht

DNS ist das Adressbuch des Internets. Tippt jemand deine Domain ein, fragt sein Gerät beim DNS nach: „Welcher Server gehört zu dieser Adresse?“ Die Antwort steht in den DNS-Einträgen deiner Domain. Die wichtigsten:

  • A-Eintrag: zeigt auf die IP-Adresse deines Webservers – er entscheidet, wo deine Website liegt.
  • MX-Einträge: legen fest, welcher Server deine E-Mails annimmt – unabhängig von der Website.
  • CNAME: ein Verweis auf einen anderen Namen, oft für Subdomains wie www genutzt.
  • TXT-Einträge: enthalten unter anderem SPF und DKIM für den Mailversand.

Der entscheidende Punkt, den viele nicht wissen: Website und E-Mail sind im DNS getrennte Baustellen. Genau daraus entsteht das häufigste Umzugs-Desaster.

Stolperfalle 1: Die Website zieht um – und reißt die E-Mails mit

Das mit Abstand häufigste Problem, das wir bei übernommenen Websites sehen: Beim Hosting-Wechsel werden die kompletten Nameserver der Domain auf den neuen Anbieter umgestellt. Damit gelten ab sofort dessen DNS-Einträge – und die kennen dein E-Mail-Setup nicht. Die Website läuft nach dem Umzug wunderbar, aber die MX-Einträge zeigen ins Leere oder auf den Standard des neuen Hosters. Ergebnis: Mails kommen tagelang nicht an, und Absender bekommen bestenfalls eine Fehlermeldung. Bleiben ausgerechnet die Formularmails deiner Website aus, steckt oft genau dieser Effekt dahinter – die häufigsten Ursachen für nicht ankommende E-Mails haben wir gesondert zusammengetragen.

Die Lösung – besser: die Vorbeugung: Vor jedem Umzug alle bestehenden DNS-Einträge dokumentieren (ein simpler Screenshot der DNS-Verwaltung reicht). Wenn nur die Website umzieht, genügt es meist, den A-Eintrag auf den neuen Server zu ändern – die Nameserver und damit alle Mail-Einträge bleiben unangetastet. Ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen: alte MX-, SPF- und DKIM-Einträge beim neuen Anbieter wieder eintragen. Die Mails der Zwischenzeit sind übrigens selten verloren – seriöse Mailserver versuchen die Zustellung mehrere Tage lang erneut.

Stolperfalle 2: „Bei mir geht's, beim Kunden nicht“ – die TTL

Jeder DNS-Eintrag hat eine Gültigkeitsdauer, die TTL (Time to Live). Sie sagt anfragenden Servern: „Merke dir diese Antwort für X Stunden.“ Änderst du einen Eintrag, sehen manche Besucher die Änderung sofort, andere erst nach Stunden – je nachdem, wann ihr Anbieter zuletzt nachgefragt hat. Das erklärt das vertraute Phänomen, dass die umgezogene Website auf deinem Handy schon läuft, im Büro aber noch die alte erscheint.

Die Lösung: Vor einem geplanten Umzug die TTL der betroffenen Einträge rechtzeitig herabsetzen – etwa auf 300 Sekunden, und zwar mindestens einen Tag vorher, solange die alte TTL noch gilt. Dann greift die eigentliche Umstellung später innerhalb von Minuten statt Stunden. Nach dem Umzug kannst du die TTL wieder erhöhen.

Stolperfalle 3: Domain ohne www funktioniert – mit www nicht (oder umgekehrt)

Deine Domain und die www-Variante sind aus DNS-Sicht zwei verschiedene Namen mit jeweils eigenem Eintrag. Wird beim Umzug nur einer von beiden angepasst, zeigt der andere weiter auf den alten Server – und je nachdem, was Besucher eintippen, landen sie auf der neuen Website, einer Fehlerseite oder dem alten Stand.

Die Lösung: Beide Einträge prüfen und auf den neuen Server zeigen lassen. Auf dem Server selbst sollte dann eine Weiterleitung dafür sorgen, dass nur eine der beiden Varianten die „echte“ ist – das ist auch für Google wichtig, damit nicht zwei identische Websites konkurrieren.

Stolperfalle 4: Die Website läuft, aber der Browser warnt vor der Verbindung

Nach einem Umzug taucht gerne eine SSL-Warnung auf: „Diese Verbindung ist nicht sicher.“ Die Ursache ist fast immer, dass auf dem neuen Server noch kein Zertifikat für deine Domain eingerichtet ist – oder dass es nicht ausgestellt werden konnte, weil die DNS-Umstellung noch nicht überall angekommen war, als der Server es versucht hat.

Die Lösung: Zertifikat auf dem neuen Server (neu) ausstellen lassen, nachdem die DNS-Änderung greift. Bei den meisten Hostern passiert das per Knopfdruck oder automatisch – manchmal braucht es nur einen zweiten Anlauf nach ein paar Stunden.

Top tip

Mit dnschecker.org oder whatsmydns.net siehst du, welche IP-Adresse deine Domain aus verschiedenen Teilen der Welt gerade zurückliefert. So erkennst du sofort, ob eine Änderung schon überall angekommen ist – statt im Blindflug zu raten, ob du noch warten musst oder wirklich ein Fehler vorliegt.

Die Kommandos für die Diagnose

Bevor du irgendetwas änderst: erst messen. Diese drei Befehle laufen auf jedem Mac und Linux-Rechner, unter Windows in der PowerShell:

BefehlWas er beantwortet
dig example.com A +shortWelche IP liefert die Domain?
dig example.com MX +shortWohin gehen die E-Mails?
dig example.com NS +shortWelche Nameserver sind zuständig?
dig @8.8.8.8 example.com +shortWas sieht Google statt deines Providers?

Der letzte Befehl ist der wichtigste bei „bei mir geht's, beim Kunden nicht": Er fragt gezielt einen fremden Resolver und umgeht damit deinen lokalen Cache. Unter Windows heißt das Werkzeug nslookup (nslookup example.com 8.8.8.8).

Zwei Regeln aus der Praxis: Vergleiche immer das, was der Resolver sagt, mit dem, was im Verwaltungsmenü deines Anbieters steht – Abweichungen sind das eigentliche Problem. Und ändere nie mehrere Einträge gleichzeitig, sonst weißt du hinterher nicht, welcher es war.

Stolperfalle 5: DNSSEC – die Domain antwortet gar nicht mehr

Der unangenehmste Fall beim Anbieterwechsel: Die Domain ist nicht falsch erreichbar, sondern komplett tot. Kein Fehler im Browser, der auf einen falschen Server hinweist, sondern schlicht keine Antwort.

Die Ursache ist fast immer DNSSEC. Ist es beim alten Anbieter aktiv und wird die Domain umgezogen, ohne dass die Signatur beim neuen Anbieter passt, verwerfen prüfende Resolver die Antwort komplett – aus deren Sicht ist die Auskunft gefälscht. Fatal daran: Es wirkt wie ein Totalausfall des Hosters, liegt aber an der Domain-Verwaltung.

So prüfst du es: dig example.com +dnssec zeigt dir, ob Signaturen (RRSIG) geliefert werden. Wenn du DNSSEC nicht bewusst brauchst, deaktiviere es vor dem Umzug beim alten Anbieter, warte die TTL ab und aktiviere es beim neuen Anbieter wieder – nicht umgekehrt.

Unser Rat: DNS-Änderungen nie „mal eben schnell“

Fast alle DNS-Notfälle, die wir betreuen, haben dieselbe Vorgeschichte: Eine Änderung wurde nebenbei gemacht, ohne den Ist-Zustand zu sichern und ohne zu wissen, welche Einträge wofür da sind. Dabei ist die halbe Miete schlicht Sorgfalt – dokumentieren, gezielt nur das Nötige ändern, danach Website und E-Mail testen.

Wenn deine Website nach einem Umzug streikt, die E-Mails nicht mehr ankommen oder du eine anstehende Umstellung lieber nicht allein machen willst: Wir kümmern uns darum – von der Bestandsaufnahme über die saubere Umstellung bis zum Test hinterher. Gerade bei Weblication-Websites übernehmen wir das regelmäßig zusammen mit der laufenden Betreuung, damit so ein Fall gar nicht erst entsteht.

Häufige Fragen

Warum ist meine Website nach dem Umzug nicht erreichbar?

In den meisten Fällen zeigt der A-Eintrag der Domain noch auf den alten Server oder die Nameserver wurden umgestellt, ohne die bisherigen Einträge zu übernehmen. Prüfe außerdem, ob sowohl die Domain als auch die www-Variante auf den neuen Server zeigen – das sind aus DNS-Sicht zwei verschiedene Namen mit eigenen Einträgen.

Wie lange dauert es, bis eine DNS-Änderung überall greift?

Das steuert die TTL (Time to Live) jedes Eintrags: Sie sagt anfragenden Servern, wie lange sie sich die alte Antwort merken dürfen. Deshalb sehen manche Besucher die Änderung sofort, andere erst nach Stunden. Setze die TTL vor einem geplanten Umzug rechtzeitig herab – etwa auf 300 Sekunden und mindestens einen Tag vorher, solange die alte TTL noch gilt.

Warum kommen nach dem Hosting-Wechsel keine E-Mails mehr an?

Website und E-Mail sind im DNS getrennte Baustellen: Die Website hängt am A-Eintrag, die E-Mail an den MX-Einträgen. Werden beim Hosting-Wechsel die kompletten Nameserver umgestellt, gelten plötzlich die Standard-Einträge des neuen Anbieters – und der kennt dein Mail-Setup nicht. Die Lösung ist, die alten MX-, SPF- und DKIM-Einträge dort wieder einzutragen.

Sind die E-Mails aus der Ausfallzeit verloren?

Meistens nicht. Seriöse Mailserver versuchen die Zustellung über mehrere Tage hinweg erneut, sodass die Nachrichten nach der Reparatur der MX-Einträge nachträglich ankommen. Absender bekommen in der Zwischenzeit bestenfalls eine Verzögerungsmeldung – Grund zur Eile ist es trotzdem.

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