Website nicht erreichbar nach Umzug? DNS-Probleme verstehen und beheben

von Marcel, Senior-Softwareentwickler

Kaum ein Thema sorgt bei Website-Betreibern für so viel Stress wie DNS: Die Website wurde umgezogen, und plötzlich ist sie nicht erreichbar. Oder schlimmer – die Website läuft, aber seit dem Umzug kommen keine E-Mails mehr an. Solche Fälle landen regelmäßig auf unserem Tisch, oft mit dem Satz „der Umzug war doch schon vor drei Tagen“. Damit du im Ernstfall weißt, wo du suchen musst, erklären wir die typischen Stolperfallen – und wie du sie behebst.

Kurz erklärt: Was DNS eigentlich macht

DNS ist das Adressbuch des Internets. Tippt jemand deine Domain ein, fragt sein Gerät beim DNS nach: „Welcher Server gehört zu dieser Adresse?“ Die Antwort steht in den DNS-Einträgen deiner Domain. Die wichtigsten:

  • A-Eintrag: zeigt auf die IP-Adresse deines Webservers – er entscheidet, wo deine Website liegt.
  • MX-Einträge: legen fest, welcher Server deine E-Mails annimmt – unabhängig von der Website.
  • CNAME: ein Verweis auf einen anderen Namen, oft für Subdomains wie www genutzt.
  • TXT-Einträge: enthalten unter anderem SPF und DKIM für den Mailversand.

Der entscheidende Punkt, den viele nicht wissen: Website und E-Mail sind im DNS getrennte Baustellen. Genau daraus entsteht das häufigste Umzugs-Desaster.

Stolperfalle 1: Die Website zieht um – und reißt die E-Mails mit

Das mit Abstand häufigste Problem, das wir bei übernommenen Websites sehen: Beim Hosting-Wechsel werden die kompletten Nameserver der Domain auf den neuen Anbieter umgestellt. Damit gelten ab sofort dessen DNS-Einträge – und die kennen dein E-Mail-Setup nicht. Die Website läuft nach dem Umzug wunderbar, aber die MX-Einträge zeigen ins Leere oder auf den Standard des neuen Hosters. Ergebnis: Mails kommen tagelang nicht an, und Absender bekommen bestenfalls eine Fehlermeldung. Bleiben ausgerechnet die Formularmails deiner Website aus, steckt oft genau dieser Effekt dahinter – die häufigsten Ursachen für nicht ankommende E-Mails haben wir gesondert zusammengetragen.

Die Lösung – besser: die Vorbeugung: Vor jedem Umzug alle bestehenden DNS-Einträge dokumentieren (ein simpler Screenshot der DNS-Verwaltung reicht). Wenn nur die Website umzieht, genügt es meist, den A-Eintrag auf den neuen Server zu ändern – die Nameserver und damit alle Mail-Einträge bleiben unangetastet. Ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen: alte MX-, SPF- und DKIM-Einträge beim neuen Anbieter wieder eintragen. Die Mails der Zwischenzeit sind übrigens selten verloren – seriöse Mailserver versuchen die Zustellung mehrere Tage lang erneut.

Stolperfalle 2: „Bei mir geht's, beim Kunden nicht“ – die TTL

Jeder DNS-Eintrag hat eine Gültigkeitsdauer, die TTL (Time to Live). Sie sagt anfragenden Servern: „Merke dir diese Antwort für X Stunden.“ Änderst du einen Eintrag, sehen manche Besucher die Änderung sofort, andere erst nach Stunden – je nachdem, wann ihr Anbieter zuletzt nachgefragt hat. Das erklärt das vertraute Phänomen, dass die umgezogene Website auf deinem Handy schon läuft, im Büro aber noch die alte erscheint.

Die Lösung: Vor einem geplanten Umzug die TTL der betroffenen Einträge rechtzeitig herabsetzen – etwa auf 300 Sekunden, und zwar mindestens einen Tag vorher, solange die alte TTL noch gilt. Dann greift die eigentliche Umstellung später innerhalb von Minuten statt Stunden. Nach dem Umzug kannst du die TTL wieder erhöhen.

Stolperfalle 3: Domain ohne www funktioniert – mit www nicht (oder umgekehrt)

Deine Domain und die www-Variante sind aus DNS-Sicht zwei verschiedene Namen mit jeweils eigenem Eintrag. Wird beim Umzug nur einer von beiden angepasst, zeigt der andere weiter auf den alten Server – und je nachdem, was Besucher eintippen, landen sie auf der neuen Website, einer Fehlerseite oder dem alten Stand.

Die Lösung: Beide Einträge prüfen und auf den neuen Server zeigen lassen. Auf dem Server selbst sollte dann eine Weiterleitung dafür sorgen, dass nur eine der beiden Varianten die „echte“ ist – das ist auch für Google wichtig, damit nicht zwei identische Websites konkurrieren.

Stolperfalle 4: Die Website läuft, aber der Browser warnt vor der Verbindung

Nach einem Umzug taucht gerne eine SSL-Warnung auf: „Diese Verbindung ist nicht sicher.“ Die Ursache ist fast immer, dass auf dem neuen Server noch kein Zertifikat für deine Domain eingerichtet ist – oder dass es nicht ausgestellt werden konnte, weil die DNS-Umstellung noch nicht überall angekommen war, als der Server es versucht hat.

Die Lösung: Zertifikat auf dem neuen Server (neu) ausstellen lassen, nachdem die DNS-Änderung greift. Bei den meisten Hostern passiert das per Knopfdruck oder automatisch – manchmal braucht es nur einen zweiten Anlauf nach ein paar Stunden.

Top tip

Mit kostenlosen Online-Werkzeugen wie einem „DNS-Checker“ siehst du, welche IP-Adresse deine Domain aus verschiedenen Teilen der Welt gerade zurückliefert. So erkennst du sofort, ob eine Änderung schon überall angekommen ist – statt im Blindflug zu raten, ob du noch warten musst oder wirklich ein Fehler vorliegt.

Unser Rat: DNS-Änderungen nie „mal eben schnell“

Fast alle DNS-Notfälle, die wir betreuen, haben dieselbe Vorgeschichte: Eine Änderung wurde nebenbei gemacht, ohne den Ist-Zustand zu sichern und ohne zu wissen, welche Einträge wofür da sind. Dabei ist die halbe Miete schlicht Sorgfalt – dokumentieren, gezielt nur das Nötige ändern, danach Website und E-Mail testen.

Wenn deine Website nach einem Umzug streikt, die E-Mails nicht mehr ankommen oder du eine anstehende Umstellung lieber nicht allein machen willst: Wir kümmern uns darum – von der Bestandsaufnahme über die saubere Umstellung bis zum Test hinterher. Gerade bei Weblication-Websites übernehmen wir das regelmäßig zusammen mit der laufenden Betreuung, damit so ein Fall gar nicht erst entsteht.

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